Tag Archive for Sandhausen

Ihr auf dem Rasen und wir auf den Rängen

War ich zwar vor dem Spiel noch voller Vorfreude und grenzenlos naiv optimistisch (zu viele Spiele hatte ich diese Saison schon verpasst und nun hieß es für mich „endlich wieder Fußball“), so beschlich mich doch bereits kurz vor Anpfiff ein leichtes „Aue-Gefühl“.

Ein Sinnbild.

Aber dass sich dieses Gefühl so bewahrheiten würde und es sogar noch schlimmer kommen würde, das muss erst mal verdaut werden. Vollkommen verständliche Reaktion der Vorsänger, keine Frage. Und von nirgendwo Pfiffe. Immerhin. Kurz dachte ich wohl darüber nach, ob das beim einem Heimspiel ähnlich „funktioniert“ hätte. Aber gut.

Mehr kann und will ich zu dieser Auswärtsfahrt auch nicht sagen. Und der Spielbericht wäre damit, mit mehr Worten als geplant, abgehakt.

Wunschkonzert

Der eigentliche Grund, warum ich nicht einfach still und heimlich auf das Schreiben verzichten kann, sind die riesigen Diskussionen, die spätestens seit Abpfiff in Sandhausen, überall und unumgänglich aufbrechen. Die Resignation, die überall zu spüren ist.

Ich gebe ja zu, dass sich auch bei mir langsam eine Art Resignation einstellt. Ich selber vermisse meinen grenzenlosen Optimismus und die Motivation für „seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche!“. Aber mal ehrlich: war der FC Sankt Pauli nicht mal für jede Überraschung gut? Wo ist der Glaube, die Liebe, die Hoffnung hin?

Deshalb: mal ernsthaft. Leute! Reist euch mal alle etwas zusammen. Hört auf irgendwelche sinnlosen Diskussionen über Trainer, Spieler und abgebrochenen Support zu führen.

Kneift die Arschbacken zusammen und kämpft. Und zwar ALLE.

Ihr auf dem Rasen

Macht was, entfacht Leidenschaft, werft euch rein, nehmt die Herausforderung an, beißt euch fest. Bleibt zum Teufel nicht einfach stehen und schaut, was passiert. Denn was dann passiert, haben wir nun zu Genüge gesehen.

Und wir auf den Rängen

Wenn von der Mannschaft bei den nächsten Spielen Feuer und Leidenschaft erwartet wird, dann müssen auch wir wieder mehr Leidenschaft versprühen, den Kaffeeklatsch auf den Rängen ein für alle Mal beenden und gemeinsam mit der Mannschaft kämpfen. Und zwar laut. Und zwar ALLE.

Für mehr Liebe und Leidenschaftauf dem Rasen und den Rängen!

Für mehr Liebe und Leidenschaft auf dem Rasen und den Rängen!

Anstatt sich in endlosen Diskussionen zu verstricken, ist vielleicht genau jetzt der Punkt gekommen um wieder näher zusammen zu rücken und Gas zu geben.

Und deshalb (und ja, das sage ich vor allem auch zu mir selber):

Arsch hoch und los geht’s!

Ihr auf dem Rasen und wir auf den Rängen! Denn gemeinsam zerren wir den Karren schon wieder aus dem Dreck!

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Magischer FC

Und was nun?

Am Samstag hat der magische FC beim SV Sandhausen einen richtig guten Auftritt hingelegt, der uns am Ende aber leider doch nichts gebracht hat. Außer der Frage: Was nun? Hoffen und rechnen – oder abschreiben?

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Leiden am Bildschirm

Ich kann heute nicht ins Stadion. Ich bin davon so überrascht und wache so spät auf, dass ich es nicht einmal schaffe, noch meine Karte an jemand anderen weiterzugeben. Jetzt sitze ich auf dem Sofa, die Karte hängt an der Pinnwand, und wenn ich die Balkontür aufmache, kann ich in der Ferne das Stadion hören. Das ist doch scheiße. Jetzt muss ich das Spiel am Bildschirm gucken. Ich habe so lange kein Heimspiel mehr im TV gesehen, dass ich vollkommen geplättet und überrascht bin, wie geil das aussieht. Und wie laut das ist. Forza St. Pauli!

Getränketechnisch gibt es Brühe statt Bier. Vom Himmel-Kommentator lasse ich mir dann nochmal ein bisschen Balsam für die Seele aufs Butterbrot schmieren: Seit vier Spielen ist der FCSP ohne Gegentor. Sobiech und Ziereis, das läuft diese Saison echt wie ’ne Eins.

Hier ein paar Stichworte zum Spielbeginn aus der Sofa-Kurve:

  • Süd-Choreo: schlicht aber geil;
  • Höllenglocken: Gänsehaut as usual;
  • Anstoß Sandhausen: Was soll’s;
  • Aux Armes: oh yeah!

Der FCSP agiert druckvoll und entschlossen in der Anfangsphase. Dann der Fehlpass von Ratsche, der „Steal“ von Wooten, Tor Kosecki, Sandhausen führt. Baem. Das war’s dann mit der Zu-Null-Serie. Kaum habe ich mich von dem Schrecken erholt, klingelt es das zweite Mal: Wooten flankt von links gegen drei Sankt Paulianer, Sobiech ist vielleicht das erste Mal in der Saison nicht zur Stelle, Dudziak kommt zu spät. 0:2 durch Jovanovic. Nach 7 Minuten. Verdammich. Ab jetzt wird das ein harter Ritt.

Das Millerntor bleibt laut, ich höre „… and beat the fucking Sánd-hau-sen!“ sehr schön deutlich über die Außenmikrofone. Das Problem: Der FCSP macht viel Druck, ist aber vor dem Tor zu hastig, es passiert nichts wirklich Zwingendes. Insgesamt geht einfach zu viel durch die Mitte, zu wenig über außen. Sandhausen agiert dagegen effizient, reduziert, clever. Der weitere Verlauf der zweiten Hälfte im Schnelldurchlauf: Es gibt viel Gelb (wenn man einmal anfängt, kann man halt schlecht wieder aufhören); Sobiech muss nach Zusammenprall mit SVS-Torwart Knaller behandelt werden, kann aber weiterspielen; Maier rennt sich immer wieder fest; Ratsche bringt in der 45. endlich mal Gefahr vor das gegnerische Tor; Sandhausen fährt einen guten (und Gott sei Dank glücklosen) Konter in der Nachspielzeit. Pause! Am Brühe-Stand ist erstaunlicherweise keine Schlange.

Die zweite Hälfte beginnt mit viel Druck des FCSP auf Sandhausen, ohne Ausbeute. Das in der ersten Hälfte begonnene Gelbe-Karten-Festival geht weiter. Leider sind die herausgeholten Freistöße ungefährlich, Gegenstöße werden verschleppt, der letzte Pass stimmt nicht. Das Millerntor ist immer noch laut. O-Ton des Himmel-Kommentators: „Die Unterstützung ist geradezu grenzenlos hier im Millerntor.“ Ist da die NSA am Werk und gibt Süd-Interna weiter?

In der 65. Minute gucke ich auf die Statistik: St. Pauli hat 75% Ballbesitz, 4:0 Ecken, 7:3 Torschüsse. Tolle Wurst, davon kann man sich auch nichts kaufen. Apropos kaufen: Über die Außenmikrofone höre ich Rainer Wulff: „Das Millerntor ist heute ausverkauft!“ Kurz überlege ich, ob ich aus meiner Karte einen Papierflieger bastele und ihn mit voller Wucht Richtung Stadion schicke. Während ich noch über Aerodynamik nachdenke, macht der für Dudziak gekommene Choi in der 75. Minute das 1:2 – Yihaaa! Noch sind nicht Hopfen und Malz bzw. Brühe und Wasser verloren!

Schlag auf Schlag geht es weiter: Sobota raus, KAL-LA rein (ihr wart wirklich laut, das kann ich Euch versichern). Langsam werde ich nahezu euphorisch, da schubst Buballa doch glatt Bouhaddouz im eigenen Straufraum und es gibt Elfmeter. Ich finde das frech und den Schiri nun langsam wirklich überpingelig. Der Gefoulte schießt selbst, Himmelmann ist dran, der Ball geht trotzdem unten rechts rein. 1:3 – umpf.

Auch wenn unsere Jungs in der letzten Viertelstunde nicht aufgeben, habe ich leider das Gefühl, dass Sandhausen dem vierten Tor näher ist als wir dem erneuten Anschlusstreffer. Sympthomatisch vergibt Verhoek, der seit der 70. Minute Doppelspitze mit Thy spielt, in der 80. eine 100%ige. In der 90.+2 macht Wooten dann wirklich fast noch die Bude für Sandhausen.

In der 90.+3 wird es dann noch ein bisschen albern: Sandhausen kriegt rechts außen einen Freistoß, nachdem irgendwer da irgendwen in einer Kontaktsportart namens Fußball berührt hat. Ich würde wirklich gerne mal wissen, was daran ein Foul gewesen sein soll. Zum Glück bringt der Freistoß nichts ein.

Dann ist Schluss. Auch wenn ich Lust habe, über den Schiri zu meckern, muss man fairerweise zugeben, dass wir das heute einfach selbst verbockt haben. Sandhausen war dagegen eiskalt. So wie der Rest meiner Brühe. Jetzt hakt auch noch das Bild. Ich gehe zurück ins Bett und ziehe mir die Decke über den Kopf.

Bilder im und rund um’s Stadion

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