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Fünfe grade sein lassen

Bereits vor dem Spiel gegen Lautern war klar: Das große Finale würde ausbleiben. Anders als in der Vorsaison konnte die braun-weiße Fangemeinde das letzte Saisonspiel ganz in Ruhe verfolgen. Zeit für einen Blick: zurück auf die Partie, zurück auf die Saison und ein klein wenig auch nach vorn.

Bevor das sportlich nahezu bedeutungslose Spiel (okay, es ging um gut 300.000 Euro TV-Gelder) begann, stand die obligatorische Verabschiedung der Spieler an, die unseren Verein zum Saisonende verlassen werden. Zu den bereits feststehenden Thy und Verhoek gesellten sich Kurt, Startsev, Deichmann, Alushi und Maier. Mal abgesehen vom sportlichen Verlust (dazu später mehr) ließ mich das Prozedere weitgehend kalt. Mit einer Ausnahme: Dass Okan Kurt nach 14 Jahren beim FC St. Pauli ohne den großen Durchbruch gehen wird, ist dann doch mehr als schade. Randnotiz: Wenn es bei uns so etwas wie – Achtung – Tradition gibt, dann wohl diese hässlichen und immer gleichen Tafeln als Abschiedsgeschenk. Naja, damit dürfte den Spielern der Abgang leichter fallen.

Über Schnürsenkel ist leicht zu stolpern

Einen kleinen Aufreger im Vorfeld der Partie gab es dann doch. Das Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus war enttäuscht von der Vereinsführung (das Statement ist hier dokumentiert.) Der Aufhänger: Der Verein oder die Mannschaft (so genau ist das nicht zu erfahren) soll sich geweigert haben, an einer Aktion gegen Homophobie teilzunehmen. Hört, hört. Sogar das so rückständige Kaiserslautern sollte dabei mitmachen. Und unsere Elf sperrt sich dagegen?

Mal abgesehen von der Frage, wie wirksam eine solche Symbolaktion sein kann, sind doch Haltung, Diskussion und Reflexionsbereitschaft bei Fans, Verein und letztlich auch Spielern unterm Strich viel wichtiger. Dass das Thema im Team zumindest präsent ist, weiß Metalust im Gespräch mit Philipp Heerwagen zu berichten. Und mal im Ernst: Habt ihr die Schnürsenkel bei den Lauterern denn gesehen? Vielleicht machen wir beim nächsten Mal wenigstens eine vernünftige und überall sichtbare Nummer draus. Gab’s ja schon einmal.

Fünf Stück für Fünfstück

Das Spiel hatte dann ordentlich was zu bieten – zweier unbelasteter Teams sei Dank. Vom Anpfiff weg ging es hin und her, zwei Tore nach fünf Minuten waren die logische Folge. Es sollten nicht die letzten geblieben sein. Thy und Maier durften ihre Abschiedstore schießen, Buchtmann am letzten Spieltag seinen hochverdienten ersten Saisontreffer feiern. Zudem überzeugte Miyaichi nicht nur aufgrund seiner beiden schicken Buden. So trafen wir zum vierten Mal seit 2012 im letzten Heimspiel fünffach. Nur bei den Gegentoren gibt es eine beängstigende Tendenz.

Da war (nicht) mehr drin

Die Saison endet also mit einem lockeren “Hurra!”. Ganz anders als letztes Jahr. Ein paar Schlagworte sollten genügen: Darmstadt. Nachspielzeit. Platzsturm. Dagegen war die Spielzeit 2015/16 nicht nur vollkommen entspannt, sondern auch sehr positiv. Die Gretchenfrage bleibt: War mehr drin? Die klassische Antwort lautet „jein“. Springen wir auf den 17. Spieltag zurück, an dem wir in Lautern 2:1 gewannen: Damals standen wir auf Rang drei. Zwar mit einem Sechs-Punkte-Abstand auf Freiburg und Leipzig, aber immerhin zwei Zähler vor Nürnberg. Seitdem haben die Clubberer satte 14 Punkte mehr geholt als wir. Das klingt zunächst ernüchternd. Unser Torverhältnis lag damals bei +3 Toren, seitdem konnten wir es kaum nennenswert auf +6 verbessern. Nürnbergs Bilanz: Von +7 auf +27. Wir hatten bereits im September das Torverhältnis als einen Indikator neben den Punkten für das Leistungsvermögen eines Teams angesprochen.

Auf die Saison des FCSP angewendet bedeutet das: Das Torverhältnis deutet darauf hin, dass das Team sowohl bei der Platzierung als auch bei den Punkten nahezu an sein Limit gegangen ist. Klar: Es scheint unverständlich, die Punkte reihenweise gegen Graupen wie 1860 oder Paderborn liegen gelassen zu haben. Dafür gewinnen wir eben zwei Mal gegen Leipzig.

Immer weiter!

Was heißt das für die Zukunft? Ewald hat aus dem Fast-Absteiger einen Fast-Aufsteiger gemacht. Die Defensive ist in weiten Teilen stabilisiert worden und hat mit dem IV-Duo Sobiech-Ziereis Top-Format. Vorne ist bekanntlich noch Luft nach oben. Sankt Pauli belegt bei den eigenen Toren ligaweit lediglich Rang acht. Bester Torschütze ist Lennart Thy, der die Hälfte seiner läppischen acht Treffer in nur einem Spiel gemacht hat. Neben ihm verlässt mit Verhoek ein zweiter Stürmer unseren Verein, zudem kommt Budimir bekanntlich nicht zurück. Hier wird noch einiges passieren. Picault und Miyaichi lassen eine leichte Vorfreude berechtigt erscheinen, zudem kommt mit Bouhaddouz ein solider Zweitliga-Angreifer.

Neben der Frage nach weiteren Abgängen (Rzatkowski, Ziereis oderoderoder) kommt es vor allem auf eines an: Kontinuität und Verbesserung. Picault hat gezeigt, dass er schnell, zielstrebig und gefährlich ist. Buchtmann hat gezeigt, dass er nen satten Linken hat. Solche Qualitäten so oft wie möglich auf den Platz zu bringen, bleibt die Herausforderung für Ewald und das Trainer-Team.

Das Stichwort nutze ich, um den Qualitätsverlust durch die Abgänge zu bewerten. Thy hat vier Mal in nur einem Spiel getroffen, Maier hat den Freistoß gegen Dresden reingehämmert, sogar Verhoek hat gegen Bochum damals zwei Mal genetzt. Aber, bei allem “Sie können es ja” ist festzuhalten: Keiner der bisher feststehenden Abgänge hat auf Dauer so gut gespielt, dass er eine Lücke reißen wird. Vielleicht schaffen sie kontinuierlich gute Leistungen ja woanders. Hier wird es, wie jedes Jahr, auch ohne die Fortwandernden weitergehen.

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Weitere Berichte in Bild und Wort:

Stefan Groenveld: Versöhnliches zum Saisonausklang

USP: Bilder

Sabine Scheller: Eindrücke von der Südtribüne XVIII

Fangirl 1910: Viele letzte Male oder auch „Das war’s!“

Da geht noch einiges

Gespannte Stimmung im Fritz-Walter-Stadion. Die zweite Halbzeit läuft gerade einmal Sekunden. Vorstoß auf der linken Seite. Mit etwas Zufall kommt der Ball in den Sechzehner zu Jan-Philipp Kalla. Der zieht sofort ab und versenkt den Ball im kurzen Eck! Tor für den FC St. Pauli! » Weiterlesen

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