Nichts Genaues weiß man nicht

Nee, wat schön. Fußball, Liebe und dazu ein Heimsieg. Mit 5:1 fiedeln wir das Team aus Bochum vom Feld. Tags zuvor gab es mit „Fußball & Liebe“ bereits Grund zur guten Laune – auch hier mit blau-weißem Anstrich. Insgesamt war es also ein gelungenes Wochenende – wären da nicht unsere Mitabstiegskontrahenten. Deshalb kommt es in Darmstadt und anderen Orten der Republik am Sonntag zum Showdown.

Fußball und Liebe

Den Auftakt des Fußballwochenendes macht das Musik-, Literatur-, Film-, Foto-, Streetart- und Filmfestival „Fußball & Liebe“ (Habe ich was vergessen?). Die zweite Ausgabe dieses braun-weißen Veranstaltungsunikums bot einige hoch- und kleinkarätige Gäste, die alle mehr oder weniger mit Fußball zu tun hatten.  Aus der Menge an sehens- und hörenswerten Beiträgen sollen zwei hervorgehoben werden. Das eine ist das Schlumpfenstadionmodell, das euch neben dem detailgetreuen Stadionmodell von zwei Duisburgern ans Herz gelegt werden soll. Ersteres trumpfte mit einer super gelungen Zaunfahne auf. Wer sie findet, darf sie in Erinnerung behalten. Das zweite Highlight des Tages war die „Lesung“ von Frank Goosen, der besondere Unterhaltungsqualitäten westfälischer Art auf die Bühne bringt und damit nicht zu Unrecht sehr erfolgreich ist. Der Bochum-Fan und Autor grüßte nicht nur seine Nachbarn (Die Zahnlosen und die aus D*&tm%nd), sondern hatte schöne, skurille und sehr witzige Geschichten aus seinem Leben als VfLer und Jugendtrainer auf Lager. Die Mischung aus St. Paulianern und Bochumern im Publikum sorgte für eine schön schräge Stimmung. Das passte, weil die Fans (wie wenig später die Spieler) des VfL uns Sieg und Klassenerhalt gönnten.

Fußball und Abschied

Bevor der Ball rollte, sollten noch drei Spieler verabschiedet werden. Während bei unzähligen Kickern die Zukunft dank Abstiegskampf noch ungewiss ist, durften Florian Kringe, Philipp Tschauner und Dennis Daube sich vor heimischer Kulisse verabschieden. Der Alt-Herren-Kicker Gentleman, der Fliegenfänger das Kopfballungeheuer und das ewige Talent Eigengewächs, das endlich und leider den Durchbruch geschafft hat, verlassen uns zum Saisonende. Während Flo Kringe seine lange Karriere beendet, geht Tschauner (vermutlich als Nr. 2) nach Hannover. Sportlich am schwersten wiegt wohl der Abgang von Daube zu Union, spielt Dennis doch seine beste Saison für Braun-Weiß. Alle Drei sollen (in einem uns sportlich nicht schädigenden) Umfang Erfolg und Glück haben. Macht’s gut und „You’ll never walk alone!“

Fußball und Nerven

Noch waren die Westfalen aber nicht erlegt. Dass ich bereits vor dem Spiel ankündigte: „Zwei Tore müssen wir mindestens schießen, um das obligatorische Gegentor von Gregoritsch wettzumachen“, war weniger einem exquisiten Fußballsachverstand geschuldet, als dem offensichtlichen Diktat der Logik. Anders gesagt: Ehemalige treffen immer gegen uns. Zum Kotzen. Isso.

Da ist es Gregerl sehr hoch anzurechnen, dass er uns mit seiner zweiten dicken Chance nicht gleich den Ofen ausgeschossen hat. Dank des taktischen Wechsels (Ziereis kam für den angeschlagenen Gonther) stabilisierte sich nicht nur unsere Defensive. Die logische Folge war ein Traum-Treffer von Thy aus dem Nichts. Aus dem Nichts? Nicht für den Stehplatz-Veteranen neben mir, der nicht nur dieses, sondern auch das folgende Tor mit der Präzision eines norddeutschen Uhrwerks vorhersagte. Während ich mir bibbernd das 1:1 als Pausenstand wünschte, analysierte er trocken:“Freistoß Kalla auf Sobiech, der legt nach innen. Und dort haut Daube ihn rein.“ Gut, es war dann Halstenberg, der mit dem Pausenpfiff das 2:1 machte, aber diese Ungenauigkeit ist zu vernachlässigen.

Ein Blick auf die Halbzeitergebnisse lässt nur einen Wunsch zu: Abpfeifen. Jetzt sofort. Und zwar alle Spiele. Sechzig hinten, Aalen hinten, Aue und Fürth mit einer Nullnummer. Aber ihr wisst bereits, wie lange so’n Spiel in der Regel dauert. Leider auch in der Münchener Arena im Nirgendwo.

Fußball und halbgare Freude

Nach der Pause machen Buchtmann und Thy den Sack zu. Und ich die Augen – vor Ungläubigkeit und Glück. Für einen Moment. Dann grinse ich, obgleich mir von der Seite unbegründete Skepsis vorgeworfen wird. Ist mir etwa anzusehen, dass meine Gedanken sofort in Richtung der anderen Plätze gehen. Wo ist das Kofferradio, das in den Fußballaufzeichnungen meiner Kindheit zu den Saisonfinals gehörte wie Tränen und Bierdusche? Die neumodschen Telefone versagen im entscheidenden Moment ja doch den Dienst. Oder brauchen einfach zu lange, um mir das Ergebnis der anderen Plätze mitzuteilen. Was auf’s selbe hinausläuft. Dass Sobota sogar noch das 5:1 macht, hilft meinem Gemüt nur ein wenig. Nach Ablauf der 90 Minuten ist klar. Wir haben gewonnen. Das Spiel. Und sonst nichts.

Außer Aalen will hier niemand geh’n!

Weil Fürth Darmstadt schlägt, Lautern nicht ein mickriges Scheißtor gegen Aue hinbekommt und 1860 ein 2:1 geschenkt bekommt, können wir am letzten Spieltag immer noch direkt absteigen. Nur Aalen ist weg vom Fenster. Was gut ist, sofern wir nicht mit ihnen in die 3. Liga gehen. Die Fans von der Ostalb brauche ich so dringend wie ein Furunkel. Warum? Die Antwort ist nur einen Klick entfernt (Achtung, Vollhonkalarm). Danke an Heidenheim für das Entfernen dieses Deppenclubs.

Ein Grund mehr also, in der 2. Liga zu bleiben. Der Trend ist voll auf unserer Seite. Eigentlich müsste Darmstadt sich in die Büx machen. Aber guckt einfach mal auf die Tabelle. Da gebe ich gar keine Prognose ab. Richtig übel wird das. Versprochen. Hauptsache, nicht für uns!

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5 Kommentare

  1. […] Muckefuck Sankt Pauli – Du bist keine Schönheit Fotos von Stefan Groenveld BeebleBlox – Rettungsring und Strohhalm Randnotizen.Schunino – Statistisch gesehen Kleiner Tod FC St. Pauli Blog Grenzenlos St. Pauli – Nichts genaues weiß man nicht […]

  2. […] nichts so richtig gewonnen.” – Fotos USP – Bericht Grenzenlos St.Pauli: “Nichts genaues weiß man nicht.” – Bericht Schunino: “Statistisch gesehen…” – Bericht und Fotos […]

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