Igel schlagen Bullen

Freitag, zwei Kollegen krank, eine Menge Stress am Arsch. Und dann auch noch Heimspiel – das erste Heimspiel nach der Winterpause. Endlich geht es wieder los, endlich wieder Millerntor, und das auch noch gegen RB.

Es kribbelt also schon morgens früh, als ich das Haus verlasse. Fast vergessen war dieses Kribbeln, zu lang war die Winterpause! Aber kaum ist der Tag gekommen, ist es wieder da. Du bemerkst es und du schüttelst kurz innerlich den Kopf und denkst dir nur: du Trottel! Aber ändern kannste doch nichts. Und schon stellt sich die Frage: Wie nur diesen Arbeitstag überstehen? Mit der Taktik: Nur das Nötigste tun, bloß frühzeitig das Büro verlassen, dann eben Montag Stress, egal. Hauptsache heute rechtzeitig raus hier.

Als ich mit dem Rad Richtung Millerntor fahre, ist es bereits hell erleuchtet und prall gefüllt. Die anderen stehen bereits seit einer gefühlten Ewigkeit auf den Stufen, was ich kaum ertragen kann. Ich will da hin. Mein Rad rollt immer schneller. Es ist viel zu kalt, aber mir dennoch warm, als ich endlich mit dem wohlverdienten Feierabendbier auf den Stufen stehe.

Heute also Blockfahne. Eine Blockfahne unter der es bebt und brodelt. Endlich!

Wenige Sekunden später: Das Spiel läuft, die Schnelligkeit überrascht. Was ist das? Schließlich sind wir hier immer noch am Millerntor. 8 Minuten sind gespielt, Tor Ratsche! Was ist hier los?

Das Brodeln lässt leider leicht nach. Es kann einfach nicht durchgezogen werden. Kurzzeitig versagt die Stimme, versagt das Singen. Die Anspannung ist einfach zu groß. Es muss zu gespannt auf das Spielfeld geschaut werden. Es entwickelt sich ein Schlagabtausch. Leipzig macht enormen Druck. Unsere Jungs halten dagegen. Sie kämpfen, sie beißen, sie geben keine Ruhe. Doch schon bald kommt der Gedanke, dass sie das niemals halten können. Vergiss es!

Doch da ist Himmelmann! Himmelmann und immer wieder Himmelmann!

Bereits in der 15. Minute fühle ich mich wie sonst in der 80. Minute. Selten sind die Minuten so langsam vergangen, selten war ich so angespannt. Nur schwer kann ich die Ausgeglichenheit meiner Hinterfrau ertragen. Woher nimmt sie nur diese Zuversicht?

Halbzeit: Aber es fällt nicht. Zweite Hälfte: Nein, es scheint nicht zu fallen. Schlussphase: Es fällt einfach nicht, das Gegentor! Das Millerntor bebt. Es explodiert: unfassbar, was sich plötzlich für eine Atmosphäre entwickeln kann. Immer wieder großartig, welche Kraft das Millerntor haben kann, wenn alle wollen, sich erheben und nur ein kleines bisschen mehr Energie an den Tag legen! Ein guter Grund, dass der eine oder andere bei den nächsten Spielen öfter und selbstverständlicher den Mund aufbekommt!

Und dann vergeht sie doch, die Zeit, sie vergeht tatsächlich. Das Spiel ist tatsächlich gewonnen. Mit einem Siegestreffer in der 8 Minute. Niemals hätte ich gedacht, dass wir das 82 Minuten durchhalten, dass ICH das 82 Minuten durchhalte. Aber zum Glück wurde ich vom Gegenteil überzeugt.

Darum: Vielen Dank ihr Dosen. Es hat viel Spaß gemacht dreimal gegen euch zu gewinnen. Aber mit eurer Arroganz auf dem Platz bitte ab in die erste Liga und Tschüss. Guten Weiterflug!

Und auch drei Tage später denke ich noch: Was für ein Spiel, was für ein Erlebnis. Was war das eigentlich? Ich habe ja mit einigem gerechnet, aber nicht damit. Aber gerade in solch wunderbaren Momenten ist es schwer zu ertragen, dass wir nicht grenzenlos geschlossen jubeln können. Desto stärker wird unsere eigene Unvollständigkeit spürbar. Es wird sich erst alles wieder richtig und richtig gut anfühlen, wenn wir wieder geschlossen stehen, supporten, jubeln, zittern und feiern.

Und bis dahin gilt und bleibt für alle Beteiligten das stetige Motto:

Weiter! Weiter! Weiter! Kommt schon, ab jetzt: keinen Schritt zurück!

Es wird verdammt noch mal Zeit endlich wieder vollzählig zu sein!

Und wie sagte eine kluge Dame einst: es gilt zwei Plätze dieser Kurve wieder zu füllen. Zur Zeit sind es leider noch ein Paar mehr Plätze. Seien es die Eltern, die baldigen Eltern, der Ältestenrat oder eben die Lieblingsschwester.

Deshalb nach wie vor und sowieso: die Verwandten (und Verbannten) mit uns!

Und nun gilt es erst mal in den nächsten Spielen folgenden Auftrag zu erfüllen: in 4 Spielen 10 Punkte zu machen, ein neues Mitglied zu begrüßen und das Fischbrötchen wieder an Land zu ziehen! Ist angekommen, Reisender. Wird gemacht!

Und was da nach dem Spiel abging: ohne Worte. Kopfschütteln bis zum Schleudertrauma. Aber danke für die Sperrung der Budapester. Könnte ich mich glatt dran gewöhnen. Nur die blaue Beleuchtung, die stört tatsächlich etwas. Aber Hauptsache, die Helme sitzen! Und Pferde fand ich schon immer scheiße. Ein Pferdemädchen war ich nie und werde es wohl auch nicht mehr werden!

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2 Kommentare

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