Der Sankt-Pauli-Kosmos macht sich auf den Weg

Letzte Auswärtsfahrt der Saison. Sonderzug nach Nürnberg. Leider konnte die Bezugsgruppe sich auch dieses Mal wieder nicht geschlossen auf den Weg machen, aber dennoch trafen Sonderzugfahrts-Neulinge auf Ältestenrat.

Noch vor ein paar Spieltagen wurde geträumt. Geträumt von „mit einem Punkt Rückstand nach Nürnberg“, geträumt von „realistisch sein und das Unmögliche möglich machen“. Man wird ja wohl noch träumen dürfen! Und wo sonst, wenn nicht hier!

Hätte anders laufen können (müssen), egal! Und so schlängelte sich der Sankt-Pauli-Kosmos bei bestem Wetter gen Süden.

Der Zug

Ein Zug, der an Reisen zu Kindertagen erinnerte. Für mich war also schnell klar: Fenster runter, Kopf in den Wind, Sonne ins Gesicht, Musik „genießen“, Bier in die Hand und ab ging die Post. Weite, Freiheit, Wohlgefühl.

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Und genauso schnell war auch klar, dass ich den Gedanken „wie schön wäre es denn, wenn heute noch alles möglich wäre“ schnell aus meinem Kopf verbannte und einfach nur den Moment genoss. Nicht jeder in meinem Umfeld war mit dieser Einstellung einverstanden, aber man wird ja auch noch diskutieren dürfen. Diskutiert wurde in unserem Abteil generell viel, aber es gab ja auch noch das Fenster, die Luft, die Sonne, den Partywaggon. Viele bekannte Gesichter. Irgendwie war man hier doch jeder Visage schon mal begegnet – im Viertel, auf der Straße, in der Kneipe, im Stadion, im Sankt-Pauli-Kosmos eben. Doch auch schnell wurde klar, dass ein Teil des Kosmos fehlte und sich unweit von uns ein paar Busse auf den Weg gemacht hatten. Schade. Schade, dass so etwas vonnöten ist.

Gefühlt schneller als erwartet hatten wir dann auch schon unser Ziel erreicht. Wir waren da und wir waren laut. Im Zug, im Bahnhof, in der U-Bahn. Da staunte man nicht nur außerhalb der behelmten Massen nicht schlecht.

Das Stadion

Mit allen „vereint“ ging dann der Marsch zum Stadion los. Ich mag Märsche! Ich mag Märsche auch durchs Grüne!

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Biergarten, Sonnenschein, Heiterkeit. Und als dann der Frauenschlange am Pinkelhäuschen auch noch Wasser gereicht wurde – schließlich sollte ja niemand in der Sonne schmoren – staunte selbst ich nicht schlecht.

Nichts Gutes hatte ich zuvor vom Stadion gehört. Laufbahn, niedriger und langgezogener Gästeblock, das Spielgeschehen viel zu weit weg. Aber ich persönlich muss sagen, es ist gar nicht mal so schlecht (muss am Wetter gelegen haben) und dachte: seid einfach mal zufrieden und seid laut!

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Und das waren wir auch. Zwei bis drei freudige Vorsänger brachten die Kurve bereits vor Anpfiff ordentlich zum Schwitzen. Und schon wieder staunte ich nicht schlecht: Genau so und genau deshalb mag ich diese Auswärtskurven. Genau deshalb hatte ich mich zuvor so sehr auf Düsseldorf gefreut und genau deshalb habt ihr darüber auch keinen Spielbericht gelesen. Und ausgerechnet bei diesem Spiel, ausgerechnet 643 Kilometer vom Millerntor entfernt, wo es um nichts mehr ging, wurde ich für meinen Ärger entlohnt. Man könnte darüber nachdenken. Aber man tat es nicht. Man war laut.

Ja, das Spiel. Das Spiel geriet dann aufgrund von Leistung, Ergebnis und Resultat fast zur Nebensache. Und sich damit logisch auseinanderzusetzen scheitert schon fast bei der Aufstellung. Und ja, die Entfernung des Feldes war dann doch nicht zu unterschätzen. Picault ackerte, kämpfte, lief, war einfach überall. Aber dennoch bekam man fast den Eindruck, als stände er doch ab und an alleine auf weitem Platz. Am Ende fehlte es an Ideen und Durchkommen. Der Schiri tat dann das Übrige. Schade, wir haben doch so gute Leistungen diese Saison gesehen. Aber gut, das Spiel ist aus.

Und so machte sich ein großer müder Haufen hinter einem etwas anderen Lautiwagen wieder auf den Weg Richtung U-Bahn.

Das war’s

Zurück im Zug war dann einfach für jeden was dabei: essen, trinken, tanzen, diskutieren, stehen, sitzen, schlafen, existieren. Nur das Ankommen, das dauerte dann doch noch etwas länger.

1So, das war sie, diese Auswärtssaison. Und da werde ich doch glatt etwas sentimental (auch das muss am Wetter liegen): Von Herzen vielen Dank an unsere tollen Fanladen-Hoschis und an alle anderen Beteiligten. Vielen Dank an eine wunderbare Auswärtssaison. Grenzenlosen Dank an immer stetige Begleiter, Fahrer, Herbergsväter und Gesprächspartner. Ich will gar nicht wissen, wieviel Kilometer wir zurückgelegt haben und es ging dabei immer um Fußball und um soviel mehr!

Und nächste Saison dann hoffentlich wieder alle gemeinsam:

Die Verwandten und Verbannten mit uns!

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