Der Hamburger Weg? 

Sportchef weg, neuer Sportchef gleich Geschäftsführer, Trainer noch da, dafür ein zusätzlicher Co-Trainer. So in etwa lassen sich die vergangenen Tage beim FC St. Pauli zusammenfassen. Wird Lienen jetzt „kurzleinig“ beobachtet? Ist Meggle nur das Bauernopfer? Und wo kommen jetzt eigentlich die Punkte her? Eine Annäherung.

Mit Personalrotationen kennen wir uns beim FC St. Pauli ja ganz gut aus. Knapp zwei Jahre ist es her, da wurde der erfolglose Trainer zum Sportdirektor, eben dieser musste gehen und der freie Posten des Übungsleiters wurde neu besetzt. Damals befördert, heute entlassen: Thomas Meggle. Während Rettig das Amt des Sportchefs übernimmt, bleibt Ewald uns erhalten. Er bekommt mit Olaf Janßen einen weiteren Co-Trainer an die Seite gestellt. Soweit, so bekannt, so ungewöhnlich.

Die sportliche Lage ist damals wie heute heikel. Die Punkteausbeute ist in dieser Spielzeit sogar noch niedriger als der Vergleichswert zu dem Zeitpunkt, zu dem Lienen Trainer damals wurde. Positiv: Die Saison ist noch nicht so weit vorangeschritten – Korrekturen sind also früher möglich.

Meggle: (Allein)Schuld oder Bauernopfer?

Und die sind dringend notwendig. Elf Spiele, sechs Punkte, schon fünf Zähler bis zu Rang 15: Wer nun welche „Schuld“ an diesem Werdegang hat, lässt sich vielleicht selbst intern nicht zu 100% entflechten. Die Kernaussage Meggles, dass nicht er allein die Kaderplanung betreibe, sollte hoffentlich stimmen. Welches Gewicht seine Stimme letztlich hatte, ob er sich Lienens Spielerwünschen entgegengestellt hat – das werden wir vielleicht nie erfahren. Auch die Antwort darauf, ob die offiziell kommunizierten „Differenzen bei der strategischen Ausrichtung im sportlichen Bereich“ oder doch Verstimmungen zwischen Sportchef und Trainer ausschlaggebend waren, wird hoffentlich niemals die breite Öffentlichkeit erreichen.

Sollte die Analyse ergeben haben, dass sich mit der personellen Veränderung auf dem Posten des Sportchefs am besten eine positive Entwicklung einschlagen lässt, so ist die Entscheidung nicht nur mutig, sondern auch folgerichtig. Wichtig ist am Ende nur, dass Meggle eben nicht nur ein Bauernopfer in der derzeitigen sportlich schwierigen Situation war. Hinweise zu dieser Annahme habe ich keine!

Lienen: An der Linie an der Leine?

Klar ist aber: Mit der Freistellung Meggles scheint Lienens Position vorerst gestärkt. Die Verpflichtung Olaf Janßens als zusätzlichem Co-Trainer wirkt auf den ersten Blick jedoch ungewöhnlich. Auch hier ist unser Wissen zu dünn. Wünschte sich Lienen explizit Verstärkung? Oder soll Janßen Lienen auf die Finger schauen? Ein Vorgriff auf eine Entlassung Lienens bei anhaltender mauer Leistung lässt sich zwar nicht ausschließen, allerdings ist das schon viel Spekulation, fast schon böswillige Unterstellung. An der Stelle hoffen wir, dass der Teamgedanke im Vordergrund steht und die gemeinsame, gestärkte Expertise bald zu Erfolgen führt.

Die personellen Veränderungen bei unserem Herzensverein sind nicht so naheliegend gewesen, dass sie sich dem unbedarften Beobachter unbedingt aufgedrängt hätten. Aber: Das muss nichts Schlechtes sein. Mit Andreas Rettig ist nun wahrlich kein Grünohr neuer Sportchef geworden, auch wenn die Lösung, dass der kaufmännische Geschäftsleiter nun auch der sportliche wird, sicherlich nicht optimal ist. Ich denke aber, dass Andreas Rettig diese Doppelbelastung erfolgreicher bestreiten wird als das beim Nachbarn aus Stellingen bisher der Fall war. Hoffen wir das Beste für unseren FC St. Pauli.

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