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Ein 0:4 und ein Sieg auf allen Ebenen

Zu Samstag möchte ich gar nicht viel sagen. Ich persönlich hab schon gegen Nürnberg mit einer Klatsche gerechnet, nun also gegen Ingolstadt. Ist so. War so. Bleibt so. Mund abwischen. Weiter machen!
Doch bevor ich weiter mache: zur Halbzeit dieses Spiels habe ich sehr viele Pfiffe vernommen und zum Glück gab es als Reaktion darauf nicht nur von mir einen ordentlichen „Sankt Pauli“-Rufe-Aggressionsausbruch. Ihr pfeifenden Menschen, seid doch bitte einfach still, stellt euren Support ein (supportet ihr überhaupt jemals?) oder verlasst einfach schweigend das Stadion. Aber die Pfiffe, die könnt ihr euch getrost sonst wohin stecken. Danke!
Auch deshalb ein großes Kompliment an die Menschen auf dem Zaun, die es irgendwie geschafft haben das Stimmungsruder herumzureisen. Trotz eines unansehnlichen Fußballspiels (oder vielleicht gerade deshalb?) erlebten wir doch eigentlich ein ausgelassenes Fußballfest. Das muss auch einfach mal sein!

Den herzlichsten Glückwunsch an dieser Stelle übrigens an den Blindenfußballmeister!

Drei Tage später

Drei Tage später war dann der Mund auch endgültig wieder abgewischt und es konnte weiter gehen mit diesem Fußball.

Es ging also extra früh ins Büro um wenigstens noch ein paar Stunden zu arbeiten. Hätte ich mir auch sparen können, denn an Konzentration war nicht zu denken. Deshalb ging es dann auch schon früher als gedacht mit dem Auto Richtung Kiel. Nach den ganzen Gerüchten, Berichten und Geschichten war die Gemütslage dann doch auch etwas angespannter als eh schon an Spieltagen.

Nach einer einzig langen Baustelle waren wir dann doch auch überraschend früh vor Ort und konnten die beruhigende Wirkung eines Wasserwerfers noch eine ganze Weile aus unmittelbarer Nähe genießen. (Euer Ernst?)

Dieser frühen Ankunft war es dann auch zu verdanken, dass wir weder mit dem EINEN Kartenscanner, noch mit den ZWEI langsamsten Getränkeständen der Welt, noch mit den DREI Frauentoiletten größere Probleme hatten. (Euer Ernst?)

Wer am Böllenfalltor groß geworden ist, freut sich ja immer über dieses Regionalliga-Feeling. Doch ich fragte mich dann ja schon irgendwann, wie man auf die Idee kommt die Anzeigetafel und das Kameragerüst direkt vor die Nase der Gästefans zu setzen. Wäre da doch auf dem Dach der dahingezimmerten VIP Lounge augenscheinlich noch genug Platz gewesen. Und da, wo normalerweise die Anzeigetafel zu finden ist, prangt riesige Bundeswehrwerbung? Auch das euer Ernst?
Blieb also die Freude darüber, dass sich die komplette Kurve hinterm Tor mit braun-weißen Farben füllen würde.

Waren wir noch damit beschäftigt all das zu analysieren, machten sich auf der gegenüberliegenden Seite ein paar vermummte Gestalten auf den Weg Richtung Gästeblock. Naja, sagen wir Richtung Mittelkreis. Zwei, drei schafften es dann zwar noch an unseren Zaun und an die Fahnen, die restlichen Nasen hatten sich zu diesem Zeitpunkt allerdings schon lange wieder für den Rückzug entschieden. Ist denen die Puste ausgegangen oder haben sie bemerkt, dass der Gästeblock doch erstaunlich weit weg ist? (An dieser Stelle müsste ich ihnen allerdings Recht geben, der Gästeblock in Kiel ist wirklich verdammt weit weg vom Geschehen) Aber entschuldige mal, man kann über eine solche Aktion denken, was man will, aber wenn man sich als Gruppe dazu entschließt eine solche durchzuführen, dann doch bitte auch richtig. Ja oder nein. Aber nicht ein paar Hanseln vorschicken um dann selber ganz schnell den Rückzug anzutreten. Aber gut. Lassen wir das.

Gesagt worden ist über die Aktion schon genug, passiert ist zum Glück nichts. Außer, dass sich unsere Spieler und Trainer noch ein ganzes Stück tiefer in alle braun-weißen Herzen gegrätscht haben. Und dass einige Leute wohl noch lange Zeit kopfschüttelt, tränenlachend oder einfach nur emotional angefasst davon berichten werden.

So oder so bin ich der Meinung, dass die überschüssige Energie grundsätzlich und auf allen Seiten besser über 90 Minuten in tosenden Support gesteckt werden sollte, als sie „neben dem Platz“ in dämlichen Aktionen verpuffen zu lassen.

Apropos Platz. Nach Anpfiff entwickelte sich auf dem Spielfeld dann schnell ein rasantes und kämpferisches Spiel. Genauso, wie ich es mag. Und ganz ehrlich, ich war echt überrascht, wie sich unsere Mannschaft da auf dem Rasen präsentierte. War das tatsächlich die gleiche Mannschaft, die von Ingolstadt so auseinander genommen wurde? Respekt!

Und der Kampfgeist wurde dann in der 44. Minute auch belohnt. Oh! Was eine Erleichterung! 0:1! Gegen den Tabellenführer und das hier und nach der ganzen Aufregung!
Die zweite Halbzeit enttäuschte mich dann aber doch etwas. Dafür, dass die Mannschaft irgendwann in Überzahl auf dem Platz stand, ließen sie den Kielern viel Spielraum, stellten sich hinten rein und von meiner Position aus betrachtet, sah das an vielen Stellen nicht gerade nach einer souveränen Abwehrleistung aus. Aber gut, ich lass mir gerne sagen, dass dieser Eindruck der weiten Entfernung des Gästeblocks, meinen schlechten Augen und / oder meiner schrecklichen Nervosität geschuldet war. Ganz ehrlich, ich sah den Ball schon im Tor und das nicht nur einmal!
Aber zum Glück haben wir ja immer noch und immer wieder Himmelmann und zum Glück sind 90 Minuten dann auch irgendwann mal um!

Und so haben wir nicht nur alle Fahnen, sondern auch noch 3 Punkte mit zurück nach Hamburg genommen. So war das von Kieler Seite aus sicherlich nicht geplant.
Und mit diesen drei Punkten im Gepäck, waren wir dann auch ratzfatz wieder Zuhause. Als wäre nichts gewesen. Irgendwie seltsam. So schnell findet man manchmal nicht mal an Heimspieltagen zurück in die eigenen vier Wände. Und normalerwiese dauert doch irgendwie die einfache Strecke einer Auswärtsfahrt so lange wie die ganze Kiel-Tour, oder? Aber wenn ich ganz ehrlich bin: ich könnt mich dran gewöhnen.

An was ich mich übrigens auch gewöhnen könnte: an die vielen bekannten Gesichter, die sich auf den Stufen zusammenfanden. Das war sehr schön!

Und am Samstag schon wieder gegen den Tabellenführer. Ernsthaft? Na gut!

Und bis dahin möchte ich euch diesen wunderbaren Heimspielprint von Gigi & Amando an das grenzenlose Herz legen:

 

 

 

 

 

 

 

 

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Außer Regen nichts gewesen (aber immerhin etwas!)

„Zum Abgewöhnen“, „grauenvoll“, „furchtbar“. Das sind die Worte, mit denen das Spiel unserer Jungs vom Freitag am häufigsten beschrieben wird. Und das meist von den Menschen, die nicht mal vor Ort waren und nicht die Freude hatten, über 90 Minuten im Starkregen zu stehen. Hier nun also der Augenzeugenbericht einer kurzfristig Heimgekehrten.

Empfing uns meine „alte Heimat“ zunächst noch mit strahlendem Sonnenschein und wärmender Zuversicht, so wurde uns doch sehr schnell klar: dieser Schein trügt!

Wurde auf unserem Fußweg zum Stadion noch ganz lapidar geäußert:
„Pünktlich zum Anpfiff fängt es bestimmt an zu schütten!“
„Heute wird auf jeden Fall ein Elfer verschossen!“,
sollte uns nach Anpfiff schnell klar werden, wer hier bei der ganzen Sache (auf verschiedenen Ebenen) im Regen stehen sollte.

Kaum hatten wir es uns auf den Stufen heimisch eingerichtet, ging es dann auch schon los – und zwar zunächst mit dem Regen und irgendwann dann auch mit dem Spiel. Ersteres war ein Erlebnis aus der Kategorie „denkwürdig“, letzteres dann aber doch eher zum Vergessen (und das lag nicht nur daran, dass Darmstadt-Keeper Fernandes einfach einen super Job ablieferte).

Nach ca. 20 Minuten lief uns das Wasser schon munter im Ärmel der Regenjacke auf und ab, beim Klatschen spritzte es schön ins Gesicht – und auf dem Rasen? Tja, da stolperte Avevor durch die Gegend… Die Darmstädter Heimfans waren übrigens in – fast schon unheimlich – professioneller Manier mit blauen Capes und Regenschirmen ausgestattet…
Nun gut, was machst du in so einer Situation? Da bist du über 500 km gefahren, hast dich mehrere Stunden die Kasseler Berger hochgekämpft, hast dein letztes Geld für Fußball ausgegeben, um dann schlecht gelaunt im Starkregen zu stehen und deine Mannschaft sang- und klanglos untergehen zu sehen? Nein. Nicht mit uns. Nicht an diesem Tag!

Und somit wurde uns einfach alles egal, was da auf dem Rasen geschah. Was nun zählte, geschah auf den Rängen und es entwickelte sich eine seltsam absurde „Alles egal“-Haltung: Tanzen, Singen, Hüpfen, Wasserschlacht (eine solche hätten wir übrigens auch gut und gerne auf dem Rasen gebrauchen können). Wir waren alles in allem sehr beschäftigt, nur nicht so mit dem Hingucken aufs Spielfeld. Insofern kann an dieser Stelle auch kein fundierter Spielbericht abgeliefert werden. Gebt es ruhig zu, ihr habt es doch schon immer gewusst: Ich bin ein Party-Fan!

Ich kann durchaus verstehen, dass diese gute Laune nicht für jeden verständlich oder nachvollziehbar war. Möglicherweise ist sie das aus der heutigen Perspektive nicht mal mehr für mich selbst. Aber hey! Das war einfach das Beste, was wir aus der Situation rausholen konnten; und solange das Herzstück der Kurve noch tanzt, ist doch alles nur halb so schlimm, oder?

Ganz im Ernst, das war der dritte Spieltag. Was haben die ganzen überheblichen „Diese Saison steigen wir auf“-Stimmen denn erwartet? Dass wir alle weghauen, weil wir in einem Testspiel relativ souverän gegen Werder gewonnen haben? Wenigstens sind diese Stimmen nun erstmal verstummt und vielleicht kommen jetzt mal alle wieder auf den trockenen Boden der Tatsachen zurück und fangen an zu kämpfen. Und zwar auf dem Rasen und auf den Rängen!

Zurück nach Darmstadt: Dank Föhn und Grappa halbwegs trocken und innerlich gewärmt, waren wir nun bereit, uns den goldenen Kronen des Darmstädter Nachtlebens zu stellen…

Und wie es dann eben immer so ist, lachte am nächsten Tag die Sonne hämisch vom Himmel und somit hatten wir dann doch noch die Gelegenheit, uns auf die Spuren des berühmten Ludwig Darms (Grüße auch an Herbert Milz) zu begeben. Doch das einzige, was wir fanden, war ein Turm, der seinen Mittelfinger Richtung Frankfurt streckt (wie konnte mir das all die Jahre nicht auffallen?!), den ein oder anderen Wespentanz, viel Ruhe und Ordnung und die erneute Erkenntnis, dass Sankt Pauli die einzige Möglichkeit ist!

 

 

 

 

 

 

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