8 Monate, 3 Wochen und 1 Tag

Acht Monate, drei Wochen und einen Tag. Mit diesem Gedanken im Kopf hetzte ich am Sonntagmorgen bei bestem Hamburger Wetter zum Bahnhof. Warum zum Teufel? Ich weiß es nicht.

Doch kaum sitze ich im Zug, kaum legt sich morgens um sieben ein leichter Alkoholgeruch über den Waggon, kaum lausche ich den mehr oder weniger qualifizierten Fußballfachgesprächen, finde ich ihn wieder, den Funken. Den Funken Hoffnung, den ich nach dem Spiel gegen Würzburg als vermisst gemeldet hatte. Plötzlich liegt er da. Morgens um sieben Uhr im ICE nach München. Denn: „Heute gewinnen nur wir! Und jeder, der nicht bei diesem gnadenlosen geilen Auswärtssieg dabei ist, hat was verpasst. 3 Punkte!“  Die totale Euphorie in Person setzt sich in Hannover neben mich in den Zug und ist auch noch 5 Stunden später genau davon überzeugt. Aber! Moment! Acht Monate, drei Wochen und ein… EGAL!

Auf den Stufen, in der Wellblechhölle angekommen, liegt zunächst eine seltsam gedämpfte Stimmung über der Kurve. Liegt es an der unfassbaren Beschallung, die tatsächlich bis Anpfiff durchgezogen wird, liegt es an dem Gegenwind, der uns den Nieselregen ins Gesicht weht, liegt es daran, dass lediglich ein überschaubarer Haufen aus Hamburg angereist ist (Alter, es gab wieder nur ne Handvoll Anmeldungen für den Fanladenbus) oder befinden wir uns einfach in einer Art Angststarre. Nein! „Aufgeben ist nicht!“ Verdammt! Denn schließlich passiert da auf dem Platz was. Da steht eine Mannschaft, die kämpft, die sich reinhängt, die sich Chancen herausspielt. Eine Mannschaft, die nicht gewillt ist hier mit weniger als drei Punkten vom Platz zu gehen. Der Abstiegskampf ist endlich angekommen und wird angenommen. Und es wird nicht nur Wille gezeigt, es werden nicht nur Chancen erarbeitet, in der 64. Minute wird all das dann auch tatsächlich umgesetzt. Tor. Auswärtstor. Ich hatte fast vergessen wie schön Fußball doch manchmal anzuschauen ist und wie wunderschön ein Jubel ausfallen kann.

Die folgenden Minuten halte ich kaum aus. Zu oft haben wir das schon erlebt: zu früh in Führung gegangen, sich auf dem Tor ausgeruht, das Spielen eingestellt und dann kommt es doch wieder zu einem Unentschieden. Einem Unentschieden, das sich schlimmer anfühlt als jede Niederlage. Ich würde am Liebsten mit dem Rücken zum Spielfeld stehen, möchte anfangen an den Fingernägeln zu kauen, möchte meinen Nachbarn vor Aufregung in den Arm kneifen, möchte irgendwas tun, damit endlich abgepfiffen wird. Und dann, ja dann kommt es anders, denn dann kommt dieser wunderbare Konter, dann wird gelupft und im Anschluss nur noch gejubelt. Und wie. Was für ein Jubel. Was für eine Erlösung. Was für ein unfassbar wichtiger Auswärtsdreier (nach acht Monaten, drei Wochen und einen Tag) für die Mannschaft, für Ewald, für die Kurve, für den Magischen FC.

 So euphorisch ich nun bin, so sehr bin ich mir auch darüber bewusst, dass wir noch einiges vor uns haben. Einfach wird es nicht, aber Spaß wird es machen, denn: Ab jetzt gewinnen nur noch wir!

Und eins noch: Fahrt mehr auswärts, Leute! Denn da ist sie, diese Magie. Da liegt sie manchmal einfach so auf den Stufen rum, schnappt sie euch und zeigt ihr den Weg zurück ins Millerntor!

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Ein Kommentar

  1. KBSP1910 sagt:

    Ja genau. Auswärtsspiele haben was, zumal ich jedes Mal 380 Km nach HH habe und denn wieder380 Km zurück.
    Bielefeld und Bochum sind deutlich näher.

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